Früher sagte man in Breslau: „eine Rache so süß wie ein Pfefferkuchen von Lessing.“ Woher kam diese Redewendung? Auf wen geht sie zurück und was war der Grund dafür, dass jemand eine Rache voll solch erlesener Geschmäcker und Aromen auf sich zog?
Gehen wir zurück ins Jahr 1761, in die Zeit des Dritten Schlesischen Kriegs (1756-1763), auch Siebenjähriger Krieg genannt. Zu dieser Zeit weilte Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) – bedeutender Dichter der deutschen Aufklärung, Dramaturg, Literaturkritiker und -theoretiker, begeisterter Buchliebhaber und Reformator des deutschen Theaters – in Breslau. Dank der Fürsprache von König Friedrich II. nahm Lessing hier seinen Dienst als Sekretär im Kriegskabinett von General Friedrich Bogislav von Tauentzien (1710-1791) auf, der damals Generalmajor der Kommandantur von Breslau war.
Lessing wohnte während dieser Zeit bei einem Pfefferkuchen-Meister, dessen Name allerdings nicht in die heutige Zeit überliefert wurde.
Der berühmteste aller Breslauer Pfefferkuchen!
Lessings Pfefferkuchen
Er unterrichtete dessen zwei Töchter in Französisch und erzählte der ganzen Familie oft unaufhörlich über die Literatur, das Theater, seine Reisen sowie über die Menschen aus der Welt der Kultur und Kunst von fast ganz Europa. In den Abendstunden ging er jedoch gewöhnlich in die Stadt, da – wie man so sagt – das Nachtleben sein Element war.
Darüber hinaus hatte das Glücksspiel fast alle Bestände seines Geldbeutels aufgefressen... Wenn er jedoch in den frühen Morgenstunden in seine Unterkunft zurückkehrte, die er von seinem Gastgeber angemietet hatte, machte er häufig so viel Spektakel, dass er damit die ganze Familie aus den Betten jagte. Manchmal, wenn er in der Laune dazu war, sang er auch vor sich hin, oder er warf unbeabsichtigt Mobiliar um, fluchte nach einem Misserfolg beim Kartenspiel, oder er forderte die Ehefrau des Pfefferkuchenbäckers auf, ihm Frühstück zu machen, wenn draußen bereits die Hunde auf den Straßen bellten.
Irgendwann brachte er mit seinem Verhalten jedoch das Fass zum Überlaufen und der Pfefferkuchenbäcker beschloss, Lessing die Störung des Hausfriedens heimzuzahlen.
Wie beschlossen, so kam es dann auch... Vor dem Weihnachtsmarkt des besagten Jahres 1761 backte er einen Pfefferkuchen mit einer Karikatur des berühmten Gastes – mit Buckel, in einem unförmigen Gehrock, in erbärmlichem Schuhwerk und mit kümmerlichem Hut.
Der Pfefferkuchen gefiel den Breslauern nicht nur aufgrund des Geschmacks, sondern vor allem aufgrund des hervorragenden Scherzes. Über ein Jahrhundert lang konnte er an den Buden des Weihnachtsmarktes erworben werden – „eine Rache so süß wie ein Pfefferkuchen von Lessing“ hingegen ging dauerhaft in das Repertoire der Breslauer Redewendungen ein.
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